Vier Jahre in Folge: Keine neuen Schulden im Lindauer Haushalt
Der Finanzausschuss berät am 12. Januar über den Haushaltsentwurf 2026
Trotz steigender Kosten kommt der Lindauer Haushalt 2026 voraussichtlich ohne neue Schulden aus und bleibt ausgeglichen. Größere Investitionen sind in Schulen, Kitas und Straßen geplant.
Seit 2023 hat die Stadt Lindau keine neuen Schulden gemacht. Dieser Kurs setzt sich auch im Haushaltsentwurf 2026 fort. Darin sind keine Kreditaufnahmen vorgesehen. „Dass wir das vierte Jahr in Folge keine neue Schuldenaufnahme haben, obwohl wir weiter in Schulen, Kitas und Straßen investieren, ist eine besonders gute Nachricht und nicht zuletzt den Maßnahmen aus dem Konsolidierungsprozess zu verdanken“, sagt Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons.
Ein Vergleich des Bayerischen Städtetags zeigt, dass Lindau damit besser dasteht als viele andere bayerische Städte und Gemeinden. Diese mussten im dritten Quartal deutlich mehr Schulden aufnehmen als im Jahr zuvor – nämlich 23 Prozent mehr. „Die aktuelle Haushaltsplanung ist zwar noch kein Anlass zur Entwarnung, macht aber deutlich, dass wir Schritt für Schritt in die richtige Richtung gehen“, betont Kämmerin Birgitt Richter.
Zentrale Ausgaben im Verwaltungs- und Vermögenshaushalt
Schwerpunktmäßig wird die Stadt nächstes Jahr in Schulen und Kindertagesstätten
investieren. Für das Betreuungsgebäude der Grundschule Aeschach sind 2,5 Millionen Euro vorgesehen, für das Betreuungsgebäude der Schule Reutin 2 Millionen Euro. Zusätzlich sind Zuschüsse an Kindertagesstätten in Höhe von 500.000 Euro eingeplant.
Auch in die Infrastruktur wird investiert: 650.000 Euro sind für Straßenbau und Instandsetzungsmaßnahmen vorgesehen, weitere 700.000 Euro für die Neugestaltung der Köchlinstraße. Herausfordernd bleiben dabei die deutlich gestiegenen Preise im Bausektor.
Bei den Garten- und Tiefbaubetrieben Lindau (GTL) sind 2026 Investitionen in Höhe von 8,6 Millionen Euro für die weitere Umsetzung der vierten Reinigungsstufe in der Kläranlage sowie die Erneuerung der Faultürme und des Gasspeichers notwendig, um die Wasserqualität im Bodensee zu schützen und gesetzliche Auflagen zu erfüllen. Dadurch steigt auch der städtische Anteil für die Straßenentwässerung auf 972.000 Euro.
Steigende Belastungen durch Zinsen und Kreisumlage
Die Zinslast ist zuletzt deutlich gestiegen und belastet den Verwaltungshaushalt inzwischen mit rund 1,5 Millionen Euro – eine Folge der allgemeinen Zinserhöhungen. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lag dieser Betrag noch bei rund 750.000 Euro.
Auch die Kreisumlage, welche die Stadt an den Landkreis abführen muss, hat sich seit 2022 erheblich erhöht: von 14,1 Millionen Euro auf voraussichtlich 20,1 Millionen Euro. Diese deutliche Steigerung stellt eine große Herausforderung für den städtischen Haushalt dar.
Erfreuliches Gewerbesteueraufkommen
Den Ausgaben stehen zentrale Einnahmen aus Steuern und Gebühren in Höhe von insgesamt 60,18 Millionen Euro gegenüber. Aus städtischer Sicht erfreulich entwickelt hat sich das Gewerbesteueraufkommen, hierfür sind im kommenden Jahr 24 Millionen Euro eingeplant. Damit liegt Lindau im bayernweiten Trend, wie eine aktuelle Übersicht des Bayerischen Städtetags zeigt.
An Schlüsselzuweisungen vom Freistaat werden rund 2,3 Millionen Euro erwartet. Das sind jedoch fast eine Million Euro weniger als im vergangenen Jahr. Um die geplanten Investitionen in Schulen und Kindertageseinrichtungen finanzieren zu können, sind Erlöse von Grundstücksverkäufen in Höhe von 3,9 Millionen Euro eingeplant. Dank des Verkaufserlöses des ehemaligen Limares konnte die Rücklage dieses Jahr voraussichtlich deutlich erhöht werden. Dieser Erlös kann zur Finanzierung der Investitionen 2026 aus der Rücklage entnommen und eine Kreditaufnahme vermieden werden.
Kernhaushalt erbt Schulden aus Regiebetrieben
Im Kernhaushalt hat die Stadt Lindau rund 60 Millionen Euro Schulden. Die Erhöhung um etwa 900.000 Euro gegenüber dem Vorjahr ist darauf zurückzuführen, dass der städtische Haushalt Schulden aus den ehemaligen Regiebetrieben übernommen hat. In den vergangenen fünf Jahren sind dadurch rund 20 Millionen Euro Schulden hinzugekommen. Hintergrund ist die Auflösung der Regiebetriebe Bäderbetriebe, Grundstücksmanagement, Gebäude- und Energiemanagement und Krematorium, die in den städtischen Kernhaushalt überführt wurden. Diese Überführung, die stark gestiegene Kreisumlage und unter anderem die gestiegenen Personalkosten haben das Gesamtvolumen auf 98 Millionen Euro anwachsen lassen.
„Insgesamt sind wir zuversichtlich, dass das Landratsamt den ausgeglichenen Haushalt genehmigen wird“, sagt Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons. Sie betont zugleich: „Wir müssen jedoch die städtischen Einnahmen und Ausgaben langfristig in ein stabiles Gleichgewicht bringen, um unsere Handlungsfähigkeit zu sichern.“ Für die engagierte Zusammenarbeit dankt sie Kämmerin Birgitt Richter, dem Team der Stadtkämmerei sowie allen Ämtern der Verwaltung.
Der Finanzausschuss berät den Haushaltsentwurf der Stadtverwaltung am Montag, 12. Januar, ab 16 Uhr im Alten Rathaus. Falls erforderlich, gibt es einen Folgetermin am Dienstag, 13. Januar. Anschließend entscheidet der Stadtrat in seiner Sitzung am 25. Februar über den Haushalt, bevor dieser der Rechtsaufsicht zur Genehmigung vorgelegt wird.
