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21.11.2025

Gemeinsamer Schritt für das Eichwaldquartier

Nach einem rund einjährigen Befriedungsprozess und einer zuletzt sehr emotionalen Stadtratssitzung haben die Vertreterinnen und Vertreter der Kleingärtner sowie des BUND Naturschutz in Bayern e.V. mit der Stadtverwaltung und dem Vorhabenträger einen tragfähigen Kompromiss zur Vorbereitung eines städtebaulichen Wettbewerbs für das Eichwaldquartier erarbeitet. Der abgestimmte Lösungsvorschlag wird dem Stadtrat am Mittwoch, 26. November, öffentlich vorgestellt und markiert einen Wendepunkt im Prozess zur Entwicklung des Eichwaldquartiers.

Ausgangssituation:

Vorhabenträger Andreas Schauer will das Gebiet gegenüber der Therme städtebaulich entwickeln, was der Stadtrat grundsätzlich ermöglichen will und bereits 2017 in einer unverbindlichen Absichtserklärung zum Ausdruck gebracht hat. Allerdings hatte die Stadt Lindau anschließend im Flächennutzungsplan für das Gebiet Dauerkleingartenanlagen festgesetzt und damit den Kleingärtnern im Vorfeld des Bürgerentscheids gegen den Bau der Therme Planungssicherheit signalisiert.  Seitens des BUND Naturschutz ist vor dem Verwaltungsgericht zudem noch eine Klage gegen die Stadt hinsichtlich des Bebauungsplans und der Baugenehmigung für die Therme anhängig.

Angesichts dieser konfliktträchtigen Ausgangssituation hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, eine friedliche Entwicklung des Eichwaldquartiers auszuloten. 

In vertrauensvollen Gesprächen ist es Vertretern der Kleingärten, des BUND Naturschutz, dem Vorhabenträger Andreas Schauer und der Stadtverwaltung nun gelungen, einen gemeinsamen Weg für die städtebauliche Entwicklung des Eichwaldquartiers auszuarbeiten. „Unsere gemeinsame Lösung verbindet Naturschutz, Kleingärten und Stadtentwicklung und nimmt die Anliegen der Betroffenen ernst. Für diese konstruktive Ergebnis bin ich den Beteiligten außerordentlich dankbar“, betont Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons.

Die tragenden Eckpfeiler der Lösung:

1.  Sicherung eines hochwertigen Biotopverbunds

Rund um das Gebiet soll ein dauerhaft gesicherter Biotopverbund entstehen. Ausreichend breite Gehölzstreifen entlang von Gewässern und der Bahnlinie bilden Rückzugsräume für Flora und Fauna und verzahnen das Quartier mit der Landschaft. Die konkrete Ausarbeitung erfolgt im Wettbewerbsverfahren durch Experten für Natur- und Umweltplanung.

„Für den BUND Naturschutz ist entscheidend, dass die noch bestehenden Biotopflächen erhalten werden und ein funktionaler Biotopverbund geschaffen wird“,sagt Dr. Maximilian Schuff, 1. Vorsitzender des BUND Naturschutz Lindau.

Sofern der Biotopverbund verbindlich in den städtebaulichen Wettbewerb aufgenommen wird, stellt der Bund Naturschutz zudem in Aussicht, die Klage gegen den Bebauungsplan und die Baugenehmigung der Therme zurückzunehmen.

2.  Zentrale, zusammenhängende Kleingartenflächen 

Integraler Bestandteil des Quartiers soll eine zusammenhängende Kleingartenfläche sein. Diese soll signifikant größer sein als 10.000 Quadratmeter (Variante G) und den Sozialverbund der Kleingärtnergemeinschaft fördern. Detailliertere Vorgaben zu Größen oder Flächenaufteilung sind in der Vorbereitung des städtebaulichen Wettbewerbs zu erarbeiten.

„Unser wichtigstes Anliegen ist eine verlässliche Perspektive für die Kleingärten. Die zentralen, zusammenhängenden Flächen in kompromissfähiger Ausdehnung bilden einen Eckpfeiler, der uns langfristige Planungssicherheit gibt und unsere Gemeinschaft erhält“, sagt Marco Braatz, Vorsitzender der Kleingärtner.

3.  Ökologisch sensibler Umgang mit dem Bereich der Drehscheibe

Die Flächen der ehemaligen Drehscheibe, im östlichen Bereich, auf denen Rodungen stattfanden, sollen nicht bebaut werden. Der Bereich des entstandenen Offenlandbiotops soll eine Naturfläche bleiben. Fachplaner sollen in Abstimmung mit den Natur- und Umweltbehörden erarbeiten, ob die Naturfläche als Biotop ökologisch aufgewertet und gesichert, als Pionierstandort aufgeforstet oder eine andere ökologisch wertvolle Nutzung umgesetzt wird.

Die westlichen Flächen der Drehscheibe sollen als Freiräume geplant werden, z. B. als Spielplatz- und Aufenthaltsbereiche. Im Umkehrschluss erfordert die Freihaltung bestimmter Flächen eine kompaktere Bebauung auf den verbleibenden Flächen. Die Qualität der Übergänge zwischen Natur, Freifläche und Bebauung wird daher zum zentralen Kriterium im städtebaulichen Wettbewerb. Innovative Konzepte sind ausdrücklich erwünscht.

Für Vorhabenträger Andreas Schauer ist entscheidend, dass dank des gefundenen Kompromisses nun die Entwicklung des Eichwaldquartiers konkret angestoßen und ein städtebaulicher Wettbewerb gestartet werden kann: „Ich begrüße diese gemeinsame Lösung aus klaren Linien und offenem Ansatz. So wird nach langem Ringen die Quartiersentwicklung verlässlich ermöglicht und zugleich Raum für eine gute, innovative Umsetzung geschaffen.“

Prozess und Ausblick

Der Stadtrat hatte die Verwaltung Ende September beauftragt, das Strukturkonzept der Variante G unter Berücksichtigung der vorgebrachten Bedenken und Hinweise der Beteiligten (sogenannte Akzeptanzhebel) weiterzuentwickeln. Aufgrund der Vielzahl an Akzeptanzhebeln erarbeitete das Bauamt drei Untervarianten zur Variante G, die ebenfalls in der Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch vorgestellt werden. Letztlich zeigte sich jedoch, dass sich die vielfältigen Bedürfnisse und Interessen nicht mehr in bloßen Strukturkonzepten abbilden lassen, da diese lediglich eine grobe Flächenaufteilung darstellen.

Umso deutlicher wurde, dass eine aussagekräftige städtebauliche Planung nur angestoßen werden kann, wenn vorab drei entscheidende Punkte geklärt werden. Folglich haben Stadtverwaltung, Kleingärtner, BUND Naturschutz und Vorhabenträger die drei Eckpfeiler zum Biotopverbund, den zusammenhängenden Kleingartenflächen und dem Bereich der Drehscheibe entwickelt. Innerhalb dieser tragenden Eckpfeiler kann nun der vom Vorhabenträger beabsichtigte städtebauliche Wettbewerb kreative, zukunftsorientierte und konsensfähige Entwürfe für das Eichwaldquartier entwickeln.

Nun hoffen Kleingärtner, BUND Naturschutz, Vorhabenträger und Verwaltung auf die Zustimmung des Stadtrats, um mit diesem Kompromiss in eine Quartiersentwicklung zu starten, die von Verbindlichkeit, Dialog und Innovationsgeist getragen wird.

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