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17.04.2024

Die Bürger haben viele Ideen

Bürgerbeteiligung: Vorstellung der Pläne für die Landschaftsfinger

Es war der wohl größte Bürgerbeteiligungsprozess in Lindau: Im Jahr 2015 haben sich viele Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) beteiligt, in dem auch das gesamtstädtische Freiraumkonzept „Lindau 2030“ festgeschrieben ist. Ein Grundgedanke ist der Erhalt und die Belebung von fünf ausgewiesenen Landschaftsfingern. Im Rahmen der Gartenschau wurde ein erster Teil „Der Ring aus Inselgärten“ verwirklicht. Jetzt liegen Planungen für Ausschnitte von drei weiteren Landschaftsfingern vor.

Im November begann die Bürgerbeteiligung für die Landschaftsfinger in Aeschach, Zech und am Hoyerberg. Dazu hatten sich zu jedem Termin etwa 30 Interessierte eingefunden und zahlreiche Ideen für ihren Stadtteil zusammengetragen. Anschließend hat das Landschaftsarchitekturbüro „wgf“ aus Nürnberg die gesamten Anregungen in Pläne eingearbeitet, die sie nun am 10. April im Betriebsgebäude der Garten- und Tiefbaubetriebe Lindau vor 30 interessierten Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt haben.

In seiner Eröffnungsrede betonte Meinrad Gfall, ehemaliger Leiter der Stadtgärtnerei, nochmals die hohe Bedeutung der Landschaftsfinger. Sie dienen zum einen als Frischluftschneise der Stadt, sollen das Zusammenwachsen des Siedlungsgürtels zwischen Bodensee-Ufer und Hinterland zu einem geschlossenen Gebilde verhindern, sollen aber auch für die Bewohner der einzelnen Stadtteile beleb- und begehbar werden. „Wir möchten“, so Gfall, „dass sich jeder in seinem Stadtteil wohl fühlt und sich dort in schönen Freiflächen aufhalten kann. Es muss nicht immer der See oder die Insel sein. In jedem Stadtteil gibt es schöne Plätze, die für die Anwohner erlebbar gemacht werden sollen.“

Die drei Lupenräume

In den drei sogenannten Lupenräumen in Aeschach, Zech und am Hoyerberg, stehen Veränderungen an. Im Zuge der Bürgerbeteiligung wurden jede Menge Ideen für den Freiraum an den drei Abenden im letzten November gesammelt. Spannend für die Bürgerinnen und Bürger war nun das Ergebnis, welche Ideen also in die Planung umgesetzt wurden.

Aeschach ist einer der bevölkerungsreichsten und am dichtesten besiedelten Stadtteile. Im Lupenbereich Villa Engel / Christuskirche / Schloss Moos sehen die Planungen vor, nutzbare öffentliche Grünflächen mit Angeboten für Aufenthalt, Spiel und Bewegung zu gestalten. Der wertvolle alte Baumbestand soll unbedingt erhalten werden. Ein Augenmerk legten die Planer auch auf die Zugänglichkeit. So soll ein Geh- und Radweg entstehen, der eine Verbindung zwischen der Christuskirche und dem neuen Wohngebiet schafft. Im Entwurf wird der Weg um angegliederte Spiel-, Sport- und Aufenthaltsmöglichkeiten erweitert. Im östlichen Randbereich im Übergang zum Bebauungsplangebiet soll der Geländeversprung genutzt werden, um landschaftlich ausgeformte Sitzstufen in den Hang einzubringen. Für Seniorinnen und Senioren könnte eine Boulebahn südlich des Wegs angelegt werden. Außerdem sieht die Planung auch einen Spielplatz vor.

Spiel- und Sport in Zech

In Zech soll der Bereich um den Max-Halbe-Weg, das Sportgelände und den jetzigen Wohnmobilstellplatz in ein zeitgemäßes Naherholungsgebiet mit Sport-, Spiel- und Ruhebereichen weiterentwickelt werden. Der zentrale Bereich soll zu einem Aufenthaltsplatz mit einem Wasserbecken, Pergolen zum Schutz vor Wind und Wetter sowie einem hochwertigen Pflasterbelag umgestaltet werden. Nördlich grenzt im Plan eine grüne Liegewiese mit mehreren schwenkbaren Liegemöbeln an. Darauf folgt ein baumüberstandenes Karree. Dieses könnte als Festplatz zum Aufstellen von kleinen Ständen zwischen den Bäumen oder auch als Veranstaltungsort für das Kinderfest genutzt werden. Im Übergang zu den Sportfeldern wird die Aufenthaltsqualität durch abwechselnd platzierte Sitzbänke, Heckenpflanzungen und Fahrradbügel gesteigert.

Das Spiel- und Sportangebot am Max-Halbe-Weg soll durch mehrere Maßnahmen verbessert werden. So sollen verschiedene Spielangebote für Kinder, Jugendliche sowie Seniorinnen und Senioren Einzug halten. Am südlichen Ende des Spiel und Sportbandes wäre eine Calisthenicsanlage denkbar. Eine Klettermauer im Zentrum der Fläche könnte sowohl einen Blickfang bilden, gleichzeitig aber auch zum Kletterangebot für Freizeitsuchende oder die Mitglieder des nahegelegenen Deutschen Alpenvereins (DAV) werden. In einer Zukunftsvariante ist es denkbar, eine Kletterhalle am südlichen Ende des Spiel- und Sportbandes für die Mitglieder des DAV zu bauen, in dem auch die als Zecher-Treffpunkt sehr beliebte Gaststätte „Brauner Hund“ Platz fände.

Aber auch die Vorplätze der beiden Kirchen sollen sich verändern und aufgewertet werden. Der Max-Halbe-Weg soll als verbindendes Element gestalterisch gestärkt werden und könnte zum Beispiel einen farbigen Asphalt erhalten. Die Bespielbarkeit und Nutzung für Radfahrer, Skater oder Kinderspiele soll sichergestellt werden.

Weinanbau am Hoyerberg

Am Hoyerberg soll künftig das Thema Weinanbau wieder eine Rolle spielen. Es ist angedacht, in Verbindung mit dem alten Weintorggel, dem Bismarckdenkmal und dem Hoyerbergschlössle einen neuen Weinberg entstehen zu lassen, auf dem mit einem heimischen Winzer ein „Stadtwein“ angebaut wird, der dann im Hoyerbergschlössle verkauft werden könnte. Da der Weintorggel durch die Friedrichshafenerstraße und die Bahn vom Hoyerberg abgehängt ist, wäre ein Holzsteg bis zum Fuß des Bismarckdenkmals wünschenswert. Von hier aus soll eine Weinbergtreppe entlang des neuen Weinbergs zum Holdereggenschlössle führen. Entlang der Treppe sind mehrere Aufenthaltsplätze zum Ausruhen und Verweilen untergebracht, die mit einer schattenspendenden Pergola überdacht werden sollen. Eine weitere bestehende Treppenanlage im Westen, ebenfalls zwischen Weinbergweg und Heldenweg, wird gleichermaßen mit kleinen Aufenthaltsplätzen versehen.

Um das unerwünschte Parken von Autos am Bismarckdenkmal zu unterbinden und den Platz in das Umfeld zu integrieren, soll der Platzbereich mit Rasen begrünt werden. Zur Verdeutlichung der kulturellen Bedeutung als Treffpunkt und Veranstaltungsort empfehlen die Planer eine Ausgestaltung eines Vorplatzes am Torggel. Sitzmöglichkeiten, eine Info-Tafel zum Thema Weinbau oder Kulturlandschaft und ein Kunstobjekt sollen den Platz aufwerten. Den markantesten Eingriff in das Gelände nimmt die geplante Bastion oberhalb des Weinbergs vor. Mithilfe einer Stützmauer soll der Hang in einem Teilabschnitt entlang des Rundwegs abgefangen werden. So wird die Geländemodellierung genutzt, um einen bastionsartigen Aufenthaltsbereich oberhalb des Weinbergs herzustellen. Er bietet Platz als Treffpunkt, lädt zum Verweilen ein oder kann zum Beispiel als Veranstaltungsort für zukünftige Weinverkostungen genutzt werden. An der Hoyerbergstraße, oberhalb des alten Wasserwerkgebäudes, könnte eine Gemeinschaftsgartenanlage entstehen, die von interessierten Bürgerinnen und Bürgern als Gemüse- oder Ziergärten genutzt werden könnte.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen stellen uns alle vor neue und große Herausforderungen. Um diesen begegnen zu können, liegen den Planungen für die Landschaftsfinger die vier Leitlinien „Vernetzen – Entlasten – Schützen – Gestalten“ zu Grunde.

Neben dem Erholungsgedanken für die Menschen standen immer auch die Klimaanpassung und der Erhalt der Biodiversität im Vordergrund. So soll beispielsweise der alte Baumbestand so weit wie möglich erhalten und ergänzt werden. Für die wegebegleitenden Baumpflanzungen werden zukunftsfähige und klimaresistente Gehölze gewählt.

Planungen werden Schritt für Schritt umgesetzt

Nachdem die Pläne vorgestellt wurden, kam von den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern schnell die Frage nach der Umsetzbarkeit auf. „Wir haben“, erklärte Meinrad Gfall, „jetzt für jedes Gebiet einen Plan, der nicht in einer Schublade verschwindet, sondern immer dann zur Anwendung kommen soll, wenn in den betroffenen Gebieten Veränderungen anstehen.“ So wurden Bereiche ausgewählt in welchen sich in nächster Zeit Veränderungen anbahnen. Beispielsweise wird das Areal der alten Stadtgärtnerei derzeit neu überplant. Die Ideen der Bürgerinnen und Bürger könnten nun mit in die Planung einfließen, die Kosten dazu könnten über städtebauliche Verträge dann mit den Projektentwicklern geregelt werden.

In Zech wird das Zechwaldareal neu entwickelt. Auch hier könnten, vor allem für das Umfeld, Ideen aus dem Bürgerbeteiligungsprozess Einzug halten. Und auch im Rahmen der Sanierung des Hoyerbergschlössles könnten die neuen Pläne einfließen. Die Garten- und Tiefbaubetriebe Lindau werden sich bei anstehenden Sanierungen oder Pflanzungen an die Pläne halten. „So kommen wir Stück für Stück zum Ziel“, ist sich Meinrad Gfall sicher.

Die Pläne sind Teil der Fortschreibung des gesamtstädtischen Freiraumkonzeptes, das momentan noch bearbeitet wird. Nach Fertigstellung wird die Broschüre „Lindau 2030“ neu aufgelegt und auf die Webseite der Stadt Lindau gestellt. Die Broschüre des Konzeptes von April 2016 ist hier abrufbar


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